Republikanisches Prinzip und öffentlicher Raum: Wesen der westlichen Zivilisation und seine Zerstörung

Viele deutsche Bürger machen sich der Bedeutung des öffentlichen Raumes für ihre Gesellschaft keine Vorstellungen und welche Effekte bestimmte aktuelle Entwicklungen haben. Auch sind sie sich dabei nicht bewusst, auf welchen Grundpfeilern die westliche Zivilisation steht, welche sie a) so erfolgreich gemacht haben und b) von anderen abgrenzen. Dabei wird dann verkannt, welche Auswirkungen der Import von Kulturen hat, die jener westlichen Kultur nicht entsprechen oder gar gegnerisch gegenüber stehen. Dies kann man freilich nur dann beurteilen, wenn man die Prinzipien der eigenen Kultur im Vergleich kennt. Auch die Konservativen, welche heute den reaktionären Widerstand gegen bestimmte, aus ihren Augen destruktiven Entwicklungen darstellen, verstehen oftmals nicht, was sie da eigentlich zu verteidigen versuchen. Wieder andere – oder auch dieselben – sehen in falschen Dogmen die zu verteidigenden angeblichen Errungenschaften unserer Zivilisation. Diese schwätzen beispielsweise von Demokratie als zu erreichenden Ideal. Doch fragt man sich dann nach den Prinzipien der Aufklärung, wird es plötzlich still.

Das Fundament der westlichen Zivilisation

Der Fakt besteht zunächst, dass die antike Demokratie der Beginn einer bestimmten Gesellschaftsform darstellt, doch nicht die Vollendung. Philosophisch ist dies durchaus im Westen erklärt, denn die klassisch liberalen Bewegungen und Philosophen versuchten nicht eine Demokratie zu schaffen, sondern eine Republik. Demokratie und Republik sind dabei verschieden. [1] Die Republik im Rahmen der Aufklärung (klassischer Liberalismus) stellt die Vollendung jener Ansätze von Sokrates, Aristoteles, oder Platon dar. Es ist nahezu unbegreiflich, warum eine heutige westliche Gesellschaft zur Demokratie zurück will. Diese antiken Philosophen stellen die Grundlage da. Doch vollendet wurde dies, als die klassischen Philosophen die Metabene um das Wesen des Menschen (Machiavelli, Hegel, Nietzsche) sowie die Bedingungen der Bürgerlichkeit (Kant) und Prinzipien der Ökonomie (Adam Smith) schufen.

Die Bedeutung der Christlichkeit

Die Christlichkeit war immer eng verbunden mit den griechischen Philosophien. Nur so war eine Reformation und eine Aufklärung überhaupt möglich. Die westliche Zivilisation ist die einzige, welche die Leistungen vollzog. Bei allen finsteren Bildern, welche über das frühe Christentum verbreitet werden, werden die intellektuellen Leistungen oft vergessen. Es war christliche Gelehrte, welche das Wissen sammelten und niederschrieben, und es waren Christen, welche die ersten Schulen und Universitäten begründeten, welche dann zu den unaufhörlichen geistigen Sprüngen der westlichen Kultur führten. Ohne das Christentum wäre die westliche Zivilisation undenkbar. Hierbei geht es weniger um die Mythologie der Religion, die nur metaphorischer Träger bestimmte Lehrsätze darstellt. Es gibt um das christliche Ideal des eigenverantwortlich handelnden Individuums. Wer die Bibel kennt weiß, dass sich besonders die Gebote und andere Lehrsätze an das Individuum richten und es in der zweiten Person ansprechen. Dieser christliche Idealismus der Eigenverantwortung führte zu einer sehr reifen Gesellschaft, in der das Streben des Einzelnen Großes für die Zivilisation erreichen konnte. Seien es die bedeutenden Monarchen, der kulturschaffende Adel oder die bedeutenden Unternehmer. Seien es Philosophen, Gelehrte oder Wissenschaftler. Das Individuum strebt nach oben und erhebt sich über die Masse. Aus dieser Urphilosophie des Westens entstand der klassische Liberalismus mit seinen genau auf das Individuum gerichteten Forderungen nach Freiheit und Verantwortung. Daraus entstand ein Gesellschaftsideal und dessen Institutionen, in dem die Freiheit des Individuums im Mittelpunkt steht. Doch Freiheit nicht ohne Verantwortung.

Daraus entwickelten nach der Renaissance, die Vollender der westlichen Zivilisation über verschiedene Metaebenen um das Wesen des Menschsein (Machiavelli, Hegel, Nietzsche) als erste Erkenntnis, bürgerliche (Kant) und ökonomische (Adam Smith) Prinzipien. Diese Prinzipien und deren Institutionen sind es, eingefasst in den christlichen Idealismus, welche der westlichen Zivilisation zugrunde liegen und die wir konservativ zu bewahren suchen. Diese machen das republikanische Prinzip aus.

Die linke Ideologie

Marx auf der anderen Seite, geistiger Vater der Linken, verdrehte diese Dinge ins Gegenteil. Nach Hegel sind die Schöpfungen des Menschen Form seines Geistes. In der Christlichkeit ist der Mensch von Gott geschaffen und beseelt, um zu diesen Leistungen fähig zu sein. Er trägt den göttlichen Funken in sich, das imago dei zu sein, das Ebenbild Gottes. Marx aber degradierte den Menschen auf sein Umwelt. Geist und Seele seien bedeutungslos und Metaphysik gäbe es nicht. Genauso wenig Spiritualität. Alles was zählt, sei die bestimmenden materialistische Umwelt. Der Mensch nicht mehr geschaffen und beseelt von Gott, sondern der Mensch sei Gott. Folglich sind auch Dinge wie Bescheidenheit und Demut bedeutungslos und Hedonismus, Narzissmus, Egoismus und Materialismus traten in Konsequenz an ihre Stelle. Die Linken stellen sich als die Vernichter von dem da, was den Westen philosophisch und prinzipiell ausmacht. In all ihrer Ideologie ist zu erkennen, dass es ihnen nicht darum geht am Wesen des Menschen ein bessere Gesellschaft herzuleiten. Das können sie nicht, da der Westen dies schon erreichte und vollendete. Sondern ihr Wirken ist einzig und allein darauf gerichtet die westliche Zivilisation, all ihre Ideale und Institutionen, vom Individuum, über die Familie, bis hin zur Marktwirtschaft und Politik, zu zerstören und nachwirkend zu verhindern.

Die gesellschaftlichen Räume und der Konsens

Für eine Republik stellt die Öffentlichkeit das entscheidende Maß da. Dies liegt bereits im Namen: res publica. Der öffentliche Raum in einer Republik ist der Ort, wo der bürgerlicher Austausch und Politik stattfinden. Hier findet der Bürger seine geistige und politische Reife.

Without Freedom of Thought, there can be no such Thing as Wisdom; and no such Thing as publick Liberty, without Freedom of Speech. (Benjamin Franklin)

Anlehnend an das antike Idealbild, schuf der Westen daher nach der Renaissance ein physische Form dieses Raumes in Form von Zentren, Plätzen oder Champusen. Das Forum bzw. die Agora bilden das ideelle Vorbild. Hier kommt das republikanische Bürgertum zusammen und findet alle öffentlichen, politischen, kulturellen, spirituellen und bildungstechnischen Institutionen vor.

Athenian Agora

Griechische Agora

Der öffentliche Raum kann für eine Republik nur dann seine Funktion erfüllen, wenn es in ihm einen gesellschaftlichen und kulturellen Konsens gibt, der jene genannten Prinzipien umfasst. Dieser Konsens muss kulturell und ideell sowie prinzipiell bestehen. In der Regel ist dies auch der Fall. Dieser Konsens ist nicht übertragbar. Das westliche Ideal und seine Prinzipien kann nur im Westen existieren.

Die Gesellschaft einer Republik besteht aus verschiedenen Räumen: Der private Raum, der öffentliche Raum, der öffentlich-institutionelle Raum. Alle dieses Räume sind durch den Konsens verbunden und beeinflusst.
Der private Raum ist in seiner Ausprägung typisch für die westliche Zivilisation. Es gibt andere Kulturen, wo das Private weniger oder gar keine Rolle spielt. Für den Westen aber sind die Abgrenzung zwischen privatem und öffentlichen Raum bestimmend, welche sich aus dem Individualismus heraus ergeben. Daran gebunden auch Bedeutung und Wert des Privateigentums für den Westen, eines der fundamentalsten Prinzipien der westlichen Welt. Der private Raum ist die Sphäre des Individuums und seiner Freiheiten. In der absoluten Auslegung des Liberalismus ist hier auch der Raum der religiösen Praktiken. Doch braucht es den Konservativismus, um zu erklären, dass der Konsens der westlichen Gesellschaft auf der Christlichkeit fußt und diese daher institutionell Teil der Öffentlichkeit sein muss.
Der öffentliche Raum umfasst das Gemeinwesen und die bürgerlich-politische Sphäre. Hier wirkt das Bürgertum und hier definiert es sich. Der öffentliche Raum verlangt Normen (Anstand, Ethik, Moral etc.) und Regeln (Rechte, Gesetze etc.), welche sich aus dem Konsens ergeben, damit sich das Individuum in ein Gefüge des Gemeinwesens einordnet. Es liegt im Wesen des Menschseins nicht absolut individualistisch zu sein. Gerade der Libertarismus ignoriert diesen Fakt. Der Mensch gibt freiwillig bestimmte Freiheiten auf, um ein einem sozialen und politischen Gemeinwesen mehr zu bekommen, als allein. Hierarchien und Herrschaft gehören zu einem funktionierenden Gemeinwesen. Eine Zivilisation, welche das Streben des Individuums als Ideal setzt, muss ebenso anerkennen, dass dieses sich auf verschieden Schichten in der Gesellschaft verortet. Davon sind dann einige Schichten für die Herrschaft bestimmt. Im besten Fall stellt diese die intellektuelle Elite der Gesellschaft da. Politik ist immer eine Form eines Gemeinwesens und nie rein individualistisch bestimmt. Auch wenn der Westen sein Ideal auf dem Individuum aufbaut, verleugnet er dennoch nicht das Gemeinwesen und das Wirken des Individuums darin. Hier wird Unterordnung gefordert und freiwillig geleistet, denn jeder weiß instinktiv das Gemeinwesen vor seinem individuellen Interessen zu schätzen. Tatsächlich ist es so, dass absolute Individualisten oft auch gesellschaftsunfähig sind. Ohne das Gemeinwesen gibt es keine Politik im Sinne der eigenen Zivilisation und das Gemeinwesen braucht einen kulturellen Konsens, damit es existiert. Die Effektivität der Politik und die Leistungen der Gesellschaft hängen belegbar von diesem kulturellen Konsens ab. [2]
Der öffentlich-institutionelle Raum umfasst jene öffentlichen Institutionen, in denen bestimmte spezifische Handlungen vollzogen werden. Beispielsweise Kirchen oder Parlamente. Auch hier wirkt der Konsens hinein und fokussiert sich auf bestimmte Tätigkeiten.
Alle diese Räume wirken aufeinander im Rahmen des Konsens: Aus dem Privaten ins Öffentliche, aus dem öffentlichen ins Private. Wer die physischen Formen der westlichen Kultur genauer betrachtet, sprich die Städte, wird diese Philosophie überall vorfinden: Die Wertschätzung des Privaten in Abgrenzung zum Öffentlichen, bei gleichzeitiger gegenseitiger Beeinflussung. Am deutlichsten wird diese Philosophie an den traditionellen Städten: Das Gebäude steht genau zwischen öffentlichen und privaten Raum, bildet dabei Grenze und Verschränkung. Der private Wohnraum weist dabei sowohl in den öffentlichen Raum (Vorderseite), wie in den privaten Raum (Rückseite). Dies ist nicht in allen Kulturen der Fall.

Der Sozialismus stellt einen Bruch mit dieser Philosophie dar. Denn er beseitigt das Individuelle und Private zugunsten eines rein öffentlichen Kollektives. Die Trennung der Räume löst sich auf und alles wird öffentlich. Da hier die Öffentlichkeit durch den Staat bestimmt wird, wird alles staatlich. Diese Daseinsform ist typisch für eine totalitäre Gesellschaft. Der Staat blickt in jeden Winkel der Gesellschaft und des Lebens des kaum noch existierenden Individuums. Daher finden sich in sozialistischen Gesellschaften kaum bis keine privaten Räume mehr und das Individuum ist bedeutungslos. Alles wird über das Kollektiv bemessen und das Individuum auf das Niveau des kleinsten gemeinsamen Nenners reduziert. Dieses Denken findet man genauso in der heutigen Form des Humanismus: Der kleinste gemeinsame Nenner ist hier der Mensch und individuelle Völker und Kulturen spielen keine Rolle mehr.

Der Effekt der Einwanderung

Wenn nun aber fremde Kulturen in diese Öffentlichkeit eingebracht werden, dann beginnen diese eigene private und öffentliche Räume zu schaffen, wo ihr Konsens vorherrscht. Je stärker dies geschieht, desto mehr wird der westliche Konsens verdrängt. Denn immer mehr Teile seiner Öffentlichkeit werden okkupiert. Der Raum des westlichen kulturellen Konsens wird bezogen auf ein Land so immer kleiner, je mehr dieser Prozess fortschreitet. Neue Einwanderer wandern in diese Parallelgesellschaften ein und ein immer stärker zunehmender Verdrängungsprozess beginnt. Bis der öffentlich-kulturelle Konsens beginnt sich zu verändern. Ethnische, kulturelle und religiöse Konflikte entstehen; das Normensystem wird aufgelöst. Die Gesellschaft wird instabiler und ohne den Konsens sind irgendwann Politik und einfachste Verhaltensgrundsätze nicht mehr möglich. Das soziale Gefüge löst sich auf. Die zunehmende Instabilität lässt sich nur noch mit einer politischen Diktatur eindämmen. Am Ende stehen dann Zustände wie im Nahen Osten und die westliche Zivilisation hört auf zu existieren. Alles Dank der zivilisationsfeindlichen linken Ideologie, welche diese Entwicklung betreibt.

Hintergrund des Verdrängungsprozesses

Die westliche Zivilisation ist dekadent und selbstherrlich geworden. Der christliche Idealismus wurde vom Marxismus gezielt zerstört. [3] Die Vernunft wurde vom Liberalismus getrennt und durch emotionale Neurosen und Hysterien (Links-Humanismus) ersetzt. [4] Emotionale Dauerzustände und das Gefühl bestimmen die Politik. Wichtig ist nun, was sich gut anfühlt und nicht mehr, was rational auch gut ist. [5] Das westliche Erfolgsmodell baut auf den Prinzipien der Marktwirtschaft auf. Dazu gehört vor allem die rationale Kosten-Nutzen-Abwägung über das Universalmaß Geld. Eine der größten Errungenschaften der westlichen Zivilisation, um die optimalste Entscheidung zu treffen und so maximalen Gewinn zu erzielen. Diese rationale Abwägung wurde durch emotionale Dauerzuständen der linken Ideologie ersetzt. Jeder liberale und konservative Ökonom kann über jene rationale Berechnung den Verfall der westlichen Gesellschaft und deren Wirtschaft durch die Masseneinwanderung belegen. Doch die Linken verabscheuen derlei „kapitalistische“ Abwägungen, wenn es um den „Menschen“ geht. Ihr Entscheidungsmodell basiert auf einer konstruierten Utopie und unwissenschaftlichen, man kann sagen religiösen, Vorstellungen – Wunschvorstellungen. Erwähnt wurde die Metabene des Wesens des Menschen. Die Linken aber entscheiden nicht über das Wesen des Menschen, sondern über eine utopische Vorstellung, wie man den Menschen gerne hätte. [6] Während Liberale und Konservative im Geiste der genannten Philosophien auch ohne jene „kapitalistische“ Abwägung Ursache und Lösung für den Verfallsprozess ermitteln können, sind Linke nicht in der Lage die Realität zu sehen, da sie diese als ideologische Konstruktion beurteilen und ihre Utopie als Natur. Wissenschaftlich lässt sich jedoch genau das Gegenteil belegen. Leider aber ist dieser Geist heute in der Gesellschaft verbreitet.
Man kann es nun als Systemfehler der linken Ideologie sehen. Doch das Maß an Widersprüchen lässt eher darauf schließen, dass es kein Fehler ist, sondern das Ziel. Die Linken versagen in ihrer Ideologie nicht, sie vollenden sie. Denn das Ziel ist die Zerstörung der westlichen Zivilisation. In der Form, dass über den Multikulturalismus in Verbindung mit dem Sozialstaat eine Ersetzungs- oder Austauschpolitik betrieben wird. [7] Im Grunde bezahlen die Bürger der westlichen Restzivilisation ihre eigene Vernichtung. [8]

Einige weisen nun dem westlichen Liberalismus die Schuld zu. [9] Dies ist aber nur in Teilen richtig, denn der Liberalismus wurde zunächst von den genannten Philosophien getrennt und absolut gesetzt. Doch belegte schon Platon in Politeia, dass absolute Freiheit zu absoluter Tyrannei führt:

Und mit Recht entsteht somit, denke ich, die Tyrannis aus keiner anderen Verfassung als aus der Demokratie, aus der höchsten Freiheit die tiefste und härteste Knechtschaft. (Politeia)

Doch der klassische Liberalismus vollende erst diese Ansätze, indem er für das Bürgertum Forderungen stellt. Dazu gehören individuelle Freiheit, individuelle Verantwortung, Mündigkeit und politische Vernunft sowie die daraus entstehenden Institutionen wie Familie, freie Marktwirtschaft und republikanisches Prinzip. Platon fehlten diese ökonomischen und bürgerlichen Ansätze. Die Gesellschaft, die er als Versagen skizzierte, entspricht exakt der heutigen Form. Warum? Weil man sich auf die Demokratie, sprich die Zeit vor der Aufklärung konzentriert, und die Forderung des klassischen Liberalismus an das Bürgertum ignoriert. Auch die Institutionen, die jene Forderungen a) erziehen (Familie, privates Gemeinwesen, freier Markt, freie Öffentlichkeit) und b) in einen wechselwirkenden Raum leiten, wurden abgeschafft. Der Liberalismus wurde so zu einer Waffe, die sich gegen die westliche Zivilisation richtet. Nicht mehr, wie es Adam Smith auf ökonomischen Wege darstellt, als Gesellschaft des Fortschritts und der Prosperität, sondern die Freiheit nun als Mittel der Selbstabschaffung – über die Demokratie. Die heutigen Bürger erfüllen mit Nichten die Forderungen der Aufklärung:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperrten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen droht, wenn sie es versuchen allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen. (Kant)

Die Dummheit ist der Feind

Es war der Machtantritt des Pöbels im 20. Jahrhundert, welcher Philosophie und Intellektualität aus der Gesellschaft trieb. Statt Intellektualität bestimmten nun Massenmeinungen Gesellschaft und Politik. Was sich schlecht anfühlte, wurde beseitig. Ungeachtete dessen, wie fundamental es für die Zivilisation war. Demokratie fühlte sich besser an, als die harten Forderungen der Aufklärung und des republikanischen Prinzips. Die Herrschaft des Volkes fühlte sich besser an, als die Herrschaft einer intellektuellen Aristokratie, wie sie Platon als „Epistokratie“ beschrieb. Gleichheit fühlte sich besser an, als Schichtung. Kurzum, die Dummheit wurde Maßgabe der westlichen Gesellschaft und verspielte mehr als 2000 Jahre an philosophischer Entwicklung und erfolgreicher Zivilisation. Alles in diesem Zeitraum Geschaffene wurde in einem Atemzug zerstört und das Wesen und Fundament der westlichen Zivilisation vergessen.

Konservativismus vor Liberalismus

Auch ein liberale Gesellschaft, in der das freie und eigenverantwortliche Individuum das Ideal darstellt, brauch eine Kraft, welche die Zivilisation und ihre Kultur erhält. Wenn der Liberalismus von seinen Bedingungen getrennt wird, greift Platons Prophezeiung und die Gesellschaft schafft sich über ihre Freiheit ab. Es braucht ein Moment der Vernunft, einen moralischen Zeigefinger, welcher das kulturell bestimmte soziale Gefüge, sprich den Konsens, erhält und wahrt. [10] Die westliche Kultur und ihre Ideale und Prinzipien können nur innerhalb der westlichen Zivilisation existieren. Niemals losgelöst oder übertragbar. Der christliche Idealismus bildet das Fundament und den Rahmen. Ohne das Christentum, existiert der Westen nicht. Es braucht eine Kraft, welche auch die Institutionen wahrt, welche die Prinzipien erziehen und umsetzen. Wenn die Familie durch den Sozialstaat ersetzt wird, der freie Markt und das freie Unternehmertum durch Planwirtschaft, an die Stelle einer freien Öffentlichkeit ein totaler Staat tritt und an die Stelle des freien und eigenverantwortlichen Individuums ein alles umfassendes Kollektiv, welches die Verantwortung vom Individuum auf sich verteilt (Sozialismus), dann hat diese Kraft versagt und der Westen stirbt. Das Konservative und das Liberale müssen in einer Gesellschaft des Westens gemeinsam  und gleichrangig existieren. [11] Doch dabei muss für beides eines unumstößlich klar sein: Der Marxismus ist der Feind der westlichen Zivilisation und allem, was sie ausmacht.


Siehe weiter:

YouTube-Playlist zum Thema:
https://www.youtube.com/playlist?list=PLo9L_8uhbHdCq4lvKXQ9Ret2t30FHOecu


Quellen:

[1] https://eiserneskonigreich.wordpress.com/2017/04/16/republik-vs-demokratie-erfolg-und-misserfolg/
[2] .https://www.youtube.com/watch?v=0PwrYfSrvCo, https://www.youtube.com/watch?v=26KUcofNioY
[3] https://www.youtube.com/watch?v=ZuH9jAtPmWU
[4] .https://www.youtube.com/watch?v=7xcQsGkZ8Cs
[5] .https://www.youtube.com/watch?v=1QKcKoVxDAc
[6] .https://www.youtube.com/watch?v=Xr7YaLlpnLE
[7] https://eiserneskonigreich.wordpress.com/2017/04/17/wohlstand-einwanderung-und-der-weltsozialstaat-empirie-und-folgen/
[8] https://eiserneskonigreich.wordpress.com/2017/04/21/die-luege-vom-demographischen-wandel/
[9] https://www.youtube.com/watch?v=Bd4aKaFofck
[10] .https://www.youtube.com/watch?v=eis3gki3FpQ
[11] .https://www.youtube.com/watch?v=pqRZTJQjS40, https://eiserneskonigreich.wordpress.com/2017/04/17/der-klassisch-liberale-konservativismus/

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