Deutscher Anarcholibertarismus vs. US-amerikanischer Paläolibertarismus/ Paläokonservativismus

Anarchokapitalismus

Der anarchistische Libertarismus, auch Anarchokapitalismus, ist eine Strömung, welche besonders von den deutschen Libertären breit vertreten wird. Neben den Prinzipien von Selbst- und Privateigentum, sowie einem freien Markt, wird davon ausgegangen, dass eine Privatrechtsordnung den Staat ersetzen soll (Anarchie), sprich statt den politischen Gewalten freiwillige Interaktionen und Verträge die Gesellschaft zur Selbstregulierung führen. [1] Bekanntester deutscher Vertreter ist Oliver Janich.

Die deutschen Libertären bedienen sich hier marxistischen Strömungen, nachdem sie eine herrschaftsfreie Gesellschaft anstreben bzw. als natürlich ansehen. Denn der „Herrsschaftsfreie Diskurs“ war auch ein Begriff in der neo-marxistischen Frankfurter Schule.  Herrschaft und Akte der Gewalt sehen sie besonders durch den Staat ausgeübt.

Der Fehler in dieser Annahme besteht darin, dass sowohl Anarcholibertäre wie Linke das Wesen des Menschen nicht verstehen bzw. nicht anerkennen wollen. Machiavelli und Nietzsche sind jene Autoren, die das Wesen des Menschen erfassen: Er strebt nach Macht. Das Streben nach Macht schuf die Zivilisation. Denn dieses Streben beinhaltete auch die Macht (oder Herrschaft) über die Natur. Nur dies trieb die Menschen an unbekannte Meere zu besegeln, Dschungel zu erforschen, in die Tiefsee zu tauschen oder ins All zu reisen. Sie suchten etwas, was sie bezwingen konnten. Vor allem sich selbst, indem sie Grenzen überschritten. Das gesamte menschliche Wirken ist ein Sterben nach Macht und Herrschaft. Ohne diesen Trieb würden wir uns nicht entwickeln und es gäbe keine Zivilisation. Dieser Trieb wirkt im individuellen Kleinen wie im gesellschaftlichen Großen und prägt sich so in Hierarchien aus.

Es ist allein schon das Streben nach Macht, wenn eine Person einer unruhigen Massen Ruhe gebietet, damit dieser einen Vortrag halten kann oder wenn die Polizei eingreift oder wenn der Feuerwehrmann das Feuer bekämpft – ja wenn man nur einen Nagel mit einem Hammer einschlägt.

Eine weitere Kritik besteht darin, dass die Anarcholibertären Wesen und Bedeutung eines ethnisch und kulturell bestimmten Gemeinwesens nicht verstehen. Es spielt in ihren rein ökonomischen Überlegungen keine Rolle. Sie fragen sich also nicht, was eine Zivilisation ausmacht und schafft, sondern gehen wie die Linken davon aus, dass sie einfach da ist. Sie verstehen nicht, dass es diese Identität braucht, um ein soziales Gefüge zu schaffen und den nötigen Konsens, damit Politik funktioniert. [2] Das was Kant „Sittengesetz“ nannte.

Der Mensch ist nicht absolut individualistisch, sondern er gibt freiwillig einen Teil seiner individuellen Freiheit auf, um sich einem Gemeinwesen unterzuordnen. Damit verbunden sogar Herrschaft. Die Anarcholibertären können nicht erklären, warum es Monarchisten gibt. Sie bedienen sich dabei dann desselben Tricks, wie die Linken, indem sie es als ideologische Wahnvorstellung („Etatismus“) abtun. Das ist aber nicht intellektuell. Der Begriff des überhaupt „Sozialen“ wird darüber bestimmt, dass es bestimmte, wenn auch nicht absolute, kollektive Triebe des Menschen gibt, die ihn dazu bringen eine Gemeinschaft mit anderen Menschen zu bilden. Der Staat ist dabei lediglich die politische Organisationsform sowie Abgrenzung des Gemeinwesens gegenüber anderen, welche sich aus der gewachsenen und gelebten Kultur her ableitet. Die Linken auf der anderen Seite ignorieren das Individualistische im Menschen und sehen ihn ausschließlich kollektivistisch. Anarcholiberatäre und Linke nehmen hier also Extrempositionen ein, die beide andere Wesenszüge des Menschen ignorieren. Dabei scheinen Kommunismus und Anarcholibertarismus strukturell nicht so wesenverschieden zu sein. Beide vereint dabei, dass sie von einer utopischen Konstruktion des Menschen ausgehen, der nicht existiert. Beide sind unfähig den Menschen zu sehen, als was er ist, und davon ihre Ideologie herzuleiten.

Die Anarcholibertären sprechen weiter vom Naturrecht auf Selbsteigentum. Doch Eigentum ist kein Naturrecht, sondern ein Prinzip der westlichen (christlichen) Zivilisation. Die Zivilisation züchtigt den Menschen. Ohne die Zivilisation, verfällt der Mensch wieder in urtümliche Instinkte und Triebe und dabei wird dann das einzige und wahre Naturrecht deutlich: Das Recht des Stärkeren bzw. das Streben nach Macht. Ohne die (westliche) Zivilisation, gibt es keinen Libertarismus.

VS.

Paläolibertarismus

Wiedereinmal zeigt sich, dass in den USA anderes als in Deutschland, alle philosophischen Überlegungen von Vernunft begleitet werden.

Der Paläolibertarismus oder konservativer Libertarismus verbindet eine liberale/libertäre Politik mit einer kultur-konservativen Gesellschaft. [3] Vertreter ist der US-amerikanische libertäre Politiker Ron Paul und inbesondere der verstorbene klassisch liberale und libertäre Wirtschaftswissenschaftler Ludwig von Mises. Diese gehen auch davon aus, dass die christliche Religion das Fundament von Freiheit, Eigentum sind – erkennen also, dass das Liberale bzw. das Libertäre allein aus dem christlichen Individualismus stammt und daher eine liberale Gesellschaft nur eine westliche Zivilisation sein kann. Dabei kritisieren die Paläolibertären die Neo-Libertären für ihren Hass auf die westliche Zivilisation und was sie ausmacht. Für Paläolibertäre ist die westliche Kultur und Tradition bestimmend und sie lehnen den Verfall durch Anerkennung zersetzender Strömungen  der Moderne mit ihrer Kunst, Musik und Architektur ab.

Die konservative Strömung dabei nennt sich „Paläokonservativismus“ oder auch klassischer Konservativismus. [4] Diese Form verbindet klassisch liberale und konservative Standpunkte, wonach Tradition, ein kleiner Staat und die Zivilgesellschaft, zusammen mit der christlichen Religion sowie die westlicher Kultur maßgebend seien. Sie stehen weiter für einen freien Markt und für volkswirtschaftlichen Protektionismus. In Kritik stehen sie zur Masseneinwanderung, sprich zum Multikulturalismus sowie zum Sozialstaat und Interventionismus/Imperialismus (Neo-Konservative). Sie bezweifeln dabei die Integrierbarkeit von nicht-westlichen Kulturen in westliche (europäische) Kulturen. Westliche Zivilisation soll demnach in ihrer Zusammensetzung und ihrem Charakter erhalten bleiben.

Weiter zählt für sie dir Natur des Menschen, Tradition und das Prinzip der Vernunft. Sie kritisieren daher utopische Vorstellungen als ständiges Versagen und befürworten daher Werte wie Tradition, Familie, Bräuche, christlich-religiöse Einrichtungen und klassisches Lernen, um Weisheit und Führung zu erhalten. Dabei kritisieren sie Konzepte wie Demokratie, Gleichheit oder Naturrecht. Moral und soziale Normen, welche über die Zeiten und Orte gewachsen sind, werden als Fundament der Zivilisation und des sozialen Gefüges gesehen, welche explizit aus religiösen Dogmen, Traditionen, sozialen Gepflogenheiten und Gebräuchen sowie diese fordernde Institutionen heraus entstehen. Die Freiheit, welche Lebenssicherheit unter den unterworfenen Regeln eines Gemeinwesens gewährt, wird von Paläokonservativen in der Zivilisiertheit zwischen Bürgern festgemacht. Diese Regeln werden durch die Ethik fundiert. Manche Paläokonservative sind dabei der Ansicht, dass die Tradition einen besseren Ratgeber darstellt, als die Vernunft. So zum Beispiel verbale Sitten, was man tut und was man nicht tut. Dabei sei die Tradition Träger von Weisheit und Wahrheit sowie eine Ansammlung Haltungen und Verhaltensweisen, welche durch Generationen weitergeben wird. Paläokonservative lehnen den Wandel nicht ab, fordern aber das Aufnehmen der Vergangenheit. Dabei wird davon ausgegangen, dass Tradition dort erfolgreich ist, wo Ideologie versagt. Hier lehnen Palöokonservative all jene abstrakten Konzepte ab, welche nicht in Religion, Kultur und Tradition verwurzelt sind. Sie lehnen daher Nihilismus, Postmodernismus und Relativismus sowie Universalismus (typisch für die Aufklärung) ab. In Kritik sehen die Palöokonservativen daher die westliche Welt dabei, dass sie ihre Verbindung zur klassischen europäischen Zivilisation verloren hat.

Die Familie stellt für Palöokonservative das natürlichste und fundamentalste soziale Einheit da. Sie ist verwurzelt in der Ehe, im Übereinkommen neues Leben in die Welt zu bringen und so im Respekt für die Vorfahren und die Nachwelt. Alle Staaten der Welt bauen auf der Familie auf. Diese wird von Palöokonservativen derart definiert, dass sie einen sozialen Bund zwischen Mann und Frau darstellt, welchem man Ehe nennt, mit dem Zweck Kinder zu zeugen und zu erziehen, Intimität und Ressourcen zu teilen, und um Blutlinie, Eigentum und Tradition zu wahren.  Dabei Gleichstellung zwischen Mann und Frau wird von Palöokonservativen als Entmenschlichung gesehen, welche die Familie zerstört. Der Wandel der Rolle der Frau von der Mutter zur selbstbestimmten Berufstätigen wird hier als soziale Katastrophe gesehen, welches soziales Chaos schuf.

Palöokonservative lehnen den Föderalismus und und befürworten Subsidarität, um den Staat zu verkleinern. Das heißt, Dezentralisierung der Regierung, lokale Verwaltung, Privateigentum und minimale Bürokratie. Sie kritisieren die Libertären, dass der Mensch die Züchtigung der Zivilisation braucht, wenn sein Individualismus keinen Schaden anrichten soll. Das Gemeinwesen sei der natürliche und notwendiger Ausdruck der menschlichen Natur und bietet Erfüllung menschlicher Bedürfnisse. Doch der moderne Staat (die Moderne kann als zunehmender Sozialismus gesehen werden) sei ein politisches Krebsgeschwür, welches alle jene Institutionen befällt, von denen er seine Legitimation beziehe: Familie, Kirche, Unternehmen, Nachbarschaft. Die meisten Staatsaufgaben sollen auf lokaler Ebene vollzogen werden, dort, wo die Entscheidung nahe den Bürgern seien. Dies erwachse aus dem christlichen Glauben der Sünde und menschlichen Fehlbarkeit und daher soll nicht zu viel Macht in der Hand Einzelner liegen. Dabei werden auch identitäre Regionalkulturen in einer Gesellschaft befürwortet.

Fazit

Es ist also zu erkennen, dass aus den USA wiedereinmal handfeste politische Philosophien mit Substanz kommen, während die Deutschen, wenn wenn sie etwas anderes machen wollen, keinerlei Intellekt in eine Sache stecken. In Deutschland existieren keinerlei derlei Strömungen, welche das einzig Vernünftige tun, nämlich Konservativismus und Liberalismus/Libertarismus zu vereinen. Stattdessen schwimmt man weiter auf dem marxistischen Irrweg. Die Libertären machen dabei den Fehler, die Existenz einer Zivilisation bereits anzunehmen und daraus ihre Vorstellungen abzuleiten. Sie fragen nicht, was eine Zivilisation erst möglich macht. Sie argumentieren aus einer Zivilisation heraus und leiten davon ab, dass es immer so sein muss. Doch der Begriff der Anarchie ist nicht umsonst negative besetzt. Es ist die Zivilisation, welche den Menschen in seinen Instinkten züchtigt. Es ist die westliche Zivilisation, die Eigentum kennt. Es gibt andere Kulturen, die kennen diesen Begriff nicht. Dort kann man niemanden etwas wegnehmen, da das Verständnis von Eigentum nicht existiert. Diebstahl hat dort keine Bedeutung. Es ist der Staat, der die Zivilisation wahrt. Ohne den Staat, gibt es keine Zivilisation. Der Staat ist Herrschaft, aber eine Herrschaft, die den Menschen züchtigt. Ohne den Staat und seine Herrschaft, ohne die Zivilisation, verfällt der Menschen wieder ein seine Urinstinkte. Dies ist stets dann geschehen, wenn ein Staat nicht mehr vorhanden war und das existiert dort, wo es keinen Staat gibt. Wenn der Staat nicht mehr existiert, dann sehen die Libertären das wahre Wesen des Menschen und was das einzige Naturrecht ist: Das Recht des Stärkeren.


Quellen:

[1] https://en.wikipedia.org/wiki/Anarcho-capitalism
[2] https://www.youtube.com/watch?v=eis3gki3FpQ
[3] https://en.wikipedia.org/wiki/Paleolibertarianism
[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Paleoconservatism

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