Die Fehler des Kapitalismus und das deutsche Wesen

Einleitung

Auch wenn ich ein Verfechter des freien Marktes bin, sprich des freien Unternehmertums und der staatsunabhängigen Wirtschaft sowie dem Bürger als Entscheider durch seine Nachfrage, so sind mir einige der Fehler des freien Marktes doch bewusst. Aus diesem Grund lehne ich auch libertäres Denken bezogen auf die Wirtschaft ab, da ich der Meinung bin, dieses erkennt genau diese Fehler nicht.

Als Konservativer stellt für mich der freie Markt für Deutschlands Unternehmertum die Möglichkeit da, sich und Deutschlands innovatives Potential voll zu entfalten. Doch wirkt dieser in meinem Verständnis lediglich als Element eines komplexeren Ideals [1], wogegen die Libertären ihn als einzig bestimmende Institution sehen.

Hier soll es darum gehen jene Fehler bewusst zu machen.

Die Fehler des Kapitalismus

Was ist Kapitalismus?

Kapitalismus ist der Prozess einer rational-ökonomischen Kosten-Nutzen-Abwägung zum Zwecke der Produktions- und Gewinnoptimierung, unter der Maßgabe Geld. So definiere ich den Kapitalismus. Dieses Streben jedes Unternehmers, und im Grunde jedes rational denkenden Menschen in seinen Altagsentscheidungen, ist bestrebt sich der optimalen Lösung möglichst dicht anzunähern. Das heißt die verfügbaren Ressourcen im Einsatz möglichst zu minimieren und das Ergebnis zu maximieren. Als Maß der Abwägung wird Geld genutzt, da dieses ein Universalmaß darstellt, mit dem man nahezu alles rational bemessen kann. Der Gewinn muss nicht zwangsläufig ein Mehrwert an Geld sein. Für ein Unternehmen ist es das, da es sich refinanzieren muss, um im Betrieb zu bleiben, und nahezu alle Entscheidungen über das Geld getroffen werden. Doch wenn wir beispielsweise abwägen, ob ein Buch den Kaufpreis wert ist, indem wir den zu erwartenden Gewinn den Kosten entgegenstellen, ist dieser nicht ein Mehrwert an Geld, sondern ein Gewinn an Erkenntnis durch das Lesen des Buches. Hier zeigt sich auch der Charakter des Geldes als Universalmaßstab: Erkenntnis lässt sich mit Geld aufwiegen, wenn eine rationale Kosten-Nutzen-Entscheid bemessen aufgewogen werden.

Die Förderung der eigenen Jugend und ihrer Familien ist ökonomisch profitabler, als der Import von Fremdkulturen aus wenig entwickelten Ländern. Zwar meinen die Linken, dass man Menschen nicht mit Geld bemisst. Doch in dem Fall ist es das effektivste Mittel, um zu bestimmen, wie diese Gesellschaft morgen aussehen wird – ob wohlständig und prosperierend oder ruiniert und im Chaos. Das Geld kann in den meisten Fällen als Mittel rationaler Abwägungen genutzt werden, welche dann nicht allein nur einen ökonomischen Schwerpunkt haben. An diesem Beispiel hätte die (kapitalistische) Abwägung Dinge wie Subkulturen, Parallelgesellschaften, ethische und religöse Konflikte, steigende Gewalt, kulturelle Verdrängung, Überwachung, Umvolkung, wachsende Diktatur und so weiter weiterhin können. Denn es wird unterschätzt, was an rationalen ökonomischen Entscheidungen alles gekoppelt ist.

Der Fehler allein rationaler Abwägungen und seine Folgen

Doch hat dieser Prozess einen Makel, der sich im Wesen des Menschen begründet. Wenngleich er in 80% aller Fälle äußerst nutzbringend für eine Gesellschaft ist, gibt es doch einige Bereiche, welche durch jene Eigenschaften des Menschen bestimmt sind, die nicht rational sind. Der Mensch ist nur zum Teil ein rationales Wesen, auch wenn seine Intelligenz daran gebunden ist. Zur Hälfte ist er auch emotionales Wesen, ohne dieses Dinge wie eine Gesellschaft, eine Gemeinschaft, eine Familie oder auch nur Liebe unmöglich wären. Sprich all jene Dinge, die emotionaler und subjektiver Natur sind. Die Kultur zum Beispiel. Zwar wirkt der Markt aufgrund der Nachfrage. Doch sein mehrheitlich rationalen Ansätzen zwingen den Menschen offenbar auch in Bereichen rational zu denken, in den emotionales Denken eher förderlich wären. In einer gesunden Gesellschaft ist das auch gut unterscheidbar. Die heutige berechtigte Kritik am Kapitalismus fußt genau darauf. Daher wird sie auch von den emotionalen Linken angebracht, auch wenn diese die im Folgenden genannten expliziten Fehler des Kapitalismus nicht betrachten, genauso wenig wie die mehrheitlich überwiegenden Erfolge, sondern das gesamte Erfolgsmodell abschaffen wollen.

Man nehme das Beispiel Denkmalschutz. Der Kapitalist würde rational abwägen, welchen Nutzen ein Gebäude hätte, welchen Mehrwert es durch Restauration generieren würde und ob sich daher Ressourcen zur Restauration lohnen. In der Regel wird dies auch so gemacht. Nun wird der Konservative aber sagen, dass das betreffende Gebäude einen kulturellen Wert hat, in den es zu investieren lohnt, auch wenn es keinen oder gar negativen Gewinn abwirft. Der kulturellen Wert ist eher emotional, denn rational. Das muss er auch sein. Der kapitalistische Verwertungsprozess versagt hier, da er diesen emotionalen Wert nicht erkennen und schlecht bemessen kann. Kultur lässt sich nur schwer vermarkten. Es ist möglich. Aber man kann sehen, wohin das führt: Zu einer Spaß-, Trieb- und Event-Kultur. Es fällt gerade den äußerst rationalen Libertären schwer Dinge wie ethisch bestimmte Kultur, kulturelle Identität, kulturelle Verwurzelung, Tradition und darauf aufbauend dann Staatlichkeit zu verstehen – nämlich gar nicht. Wo man gleich zum nächsten Fehler kommen kann.

Der Markt arbeitet über Bedürfnisse und Nachfragen. Theoretisch können die Bürger über den Markt ihre Gesellschaft gestalten, wie sie wollen. Doch stellt sich die Frage, ob denn die Befriedigung aller Bedürfnisse überhaupt gut ist bzw. ob es gut ist den Menschen dahingegend zu erziehen, dass es nur darum geht. Die Antwort ist für einen Konservativen klar „nein“. Denn so würde sich der Mensch zu einem allein triebgesteuerten Individuum entwickeln, welches eine Sucht nach Konsum entwickelt. Auch dieses Effekt haben wir heute. Warum? Weil eine Gegenkraft aus der Gesellschaft genommen wurde, nämlich die (wahre) Kultur und ihre Tradition. Man kann fragen, ob dies durch den Kapitalismus geschah oder durch den Kulturmarxismus [2]. Das Ergebnis aber war, dass die Sieben Todsünden vergessen wurden, welche da sind Hochmut, Habgier, Neid, Zorn, Faulheit, Habgier, Maßlosigkeit, Wollust. Wie man sieht, wirkt die Mehrheit der Sünden und ihre Forderung nach beispielsweise Tugenden wie Bescheidenheit, Selbstlosigkeit und Fleiß genau gegen die negativen Effekte des Kapitalismus.

Deutsche Christlichkeit und deutschen Romantik als Züchtigung des Charakters

Der Kapitalismus baut auf natürlichen menschlichen Wesenszügen auf. Das Christentum erkannte aber, dass die Zivilisation eine züchtigende Wirkung auf all jene Eigenschaften des Menschen ausüben muss, welche sonst – völlig frei (libertär) – äußerst destruktiv wären. An dieser Stelle in Verweis auf meinen Artikel „Deutscher Anarcholibertarismus vs. US-Amerikanischer Palaeolibertarismus/Palaeokonservativismus“ [3]. Die US-Amerikanischen Konservativen kritisieren an den Libertären genau diesen Punkt, unter anderem. Jene genannten Tugenden, die man besonders bei den Deutschen sehr ausgeprägt vorfindet, wirken als ausgleichende Kraft. Was man wissen musst ist, dass der Kapitalismus und die Marktwirtschaft, damit verbunden der klassische Liberalismus und die klassische Ökonomie, aus dem christlichen Idealismus des eigenverantwortlichen Individuums stammen. Daher gibt es den Kapitalismus auch nur in der westlichen Welt. Das heißt, jene Tugenden wurden nicht erdacht, als man bestimmte destruktive Fehler des Kapitalismus erkannte. Sondern sie waren ihm schon immer beigestellt bzw. existierten Kapitalismus und Christlichkeit gleichsam nebeneinander. Auch hier waren es wieder die Deutschen, deren Kultur genau dies veredelte. Nirgendwo sonst in der einstigen westlichen Welt fand man eine Kultur, wo Wirtschaft und Christlichkeit so dicht und gleichsam beieinander lagen. Und im Wesen der Deutschen liegt es bekanntlich alles immer noch besser zu machen, als andere. Daher existierte daneben noch die deutsche Romantik, welche mit als die ursprünglichste gilt und welche den Menschen zurück zur eigenen Kultur führte, als die Technologie begann ihn zu überholen. Tatsächlich erleben wir diesen Effekt heute wieder: Die Natur wird vor Technologie und Konsum wieder geschätzt. Das heißt hier griffen Christlichkeit und Romantik bereits einem Punkt vor. Die Deutschen schufen also diese drei einander ausgleichende Elemente: Das Erfolgsmodell des Kapitalismus für die Zivilisation, die christliche Ethik und ihre Moral als züchtigende Wirkung sowie die Romantik, um die eigen Verwurzelung gefestigt zu halten. Die Christen und besonders die Deutschen erkannten, dass mehr Wert in der charakterlichen Züchtung von sich selbst durch Bescheidenheit, Demut, Fleiß, Disziplin und Ordnung liegt, als dem Nachgeben aller Begierden. Dabei muss man dann in Frage stellen, ob der Libertarismus wirklich deutsch ist, der jede Form der Herrschaft, also genau dieser Züchtung, ablehnt. Das Wesen der Deutschen alles zu ordnen, zu strukturieren und mit Normen und Regeln zu versehen, entstammt diesem Geist. Daher findet man im „Land der Freiheit“, den USA, auch eine extreme hohe Verbrechensrate und im „Lande der Dichter und Denker“ nicht. Der Unterschied liegt zwischen Freiheit und Züchtigung und es zeigt sich, dass das deutsche Modell erfolgreicher ist. Auch diese fuhren einst im Kaiserreich einen freien Markt. Aber sie stellten ihm keine Freiheitsideologie bei, sondern charakterliche Züchtigung („Zucht und Ordnung“).

Fazit

In der Mehrheit der Fälle führt eine rationale ökonomische Abwägung zum größten Nutzung für die Zivilisation. Entweder direkt oder als Konsequenz. Doch der Mensch ist nicht ausschließlich ein rationales Individuum (homo oeconomicus), wie ihn die rationalen Libertären gerne sehen. Er ist aber auch kein rein kollektivistisches Wesen, wie ihn die emotionalen Linken sehen. Auch wenn Rationalität ein Beleg für Intellekt ist, so ist es genauso auch Vernunft und Empathie. Diese Dinge wirken zusammen und bestimmen den Menschen nicht absolut für sich. Diese Eigenschaften sind ein Rat für ihn in Summe.

Wie immer liegt im Gleichgewicht, sowie in der Abwägung am Sachverhalt nach der besten Lösung das Heil. Nicht im Absolutem. Das Deutschtum fand hier das Wesen alle Aspekte zusammen zu führen. So kritisieren manche Libertäre wie Stefan Molyneux, dass der Sozialismus angeblich aus dem Geiste Preußens stammte. Sie kennen aber die preußische Kultur nicht und wissen nicht, dass bestimmten Elementen, die man durchaus zum Sozialismus zählen könnte oder wenigstens später vom ihm instrumentalisiert wurden, eine ganze Reihe anderer Dinge beigestellt waren. Wie eine tief verwurzelte christliche Ethik, wie die Ideale der Aufklärung nach Kant sowie Ideale der Romantik oder auch wie die Treue zu König und Vaterland. Der preußische König war dem Volk nahe, wie kein anderer Monarch in der westlichen Welt. Er war aber auch Landesvater und als Vater herrschte er mit strenger aber auch milder Hand. Erst das Absolutsetzen eines Elementes, wie das Autoritäre oder das Sozial-Kollektivistische führte zu destruktiven Kräften.

Jene Bereich im menschlichen Sein, die wie die Kultur oder das Volkstum zwar rational erklärbar, aber emotional geprägt sind, lassen sich nicht dem kapitalistischen Verwertungsprozess übereignen, da er sie zerstören und dem Menschen so einen essentiellen Teil seines Seins nehmen würde. Der Kapitalismus wirkt sehr ähnlich, wie die Natur. Auch diese kennt keine Ethik oder Moral. Doch der Mensch kennt sie. Der Mensch ist das imago dei und hat den göttlichen Funken in sich. Die Zivilisation und ihre besonders religiös geprägten Werte, Ethik- und Moralvorstellungen sowie Normen und Tugenden sind es, welche den Menschen züchtigen und zu etwas Höherem machen, als einzig ein triebgesteuertes und egoistisches Individuum zu sein, welches nur an den eigenen Vorteil und die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse denkt. Dann wäre er ein Tier geblieben.

In dem Moment aber, wo Christlichkeit und Romantik, sprich also die Kultur und ihre Traditionen sowie Leitbilder, im Zuge eines angeblichen Modernismus zerstört werden, werden jene destruktiven Kräfte des Kapitalismus (und des Menschen) entfesselt. [4] Er spricht nun die niedersten Triebe des Menschen an und befördert die Todsünden in die Gesellschaft.


Quellen:

[1] https://eiserneskonigreich.wordpress.com/restauration-deutschlands/
[2] https://www.youtube.com/watch?v=ZuH9jAtPmWU, https://www.youtube.com/watch?v=-1glDVfQunw
[3] https://eiserneskonigreich.wordpress.com/2017/06/03/deutscher-anarcholibertarismus-vs-us-amerikanischer-palaeolibertarismuspalaeokonservativismus/
[4] https://www.youtube.com/watch?v=fl1dvNV682k

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