Einleitung

Marxisten und viele Libertäre vereint die Ablehnung von Herrschaft und Hierarchie und die Ehrung menschlicher Größe, als Sinnbild für die Zivilisation. Beide vereint auch, dass sie von einer utopischen, das heißt nicht existenten Form des Menschen ausgehen, dies aber als wahren Naturzustand propagieren, dabei ihre Ideologie auf falschen oder wenigstens unvollständigen Annahmen stützen.

Bestimmte gemeinsame Dialektiken lassen sich ausmachen. Zunächst das Fehlen von Demut und die Annahme, sie selbst stünden an der Stelle Gottes und wüssten für die Welt und allen Menschen die ultimative Wahrheit. Deutsche Libertäre warten mit einem unglaublichen Maß an Arroganz, Selbstüberschätzung und Selbstverherrlichung auf. Ganz ähnlich wie die Kommunisten.

Als dialektisches Kampfmittel nutzen beide die Verklärung ihrer Ideologie zur Natur, woraus sie dann ihren alleinigen Wahrheitsanspruch ableiten. Da sie sich beide als „Naturrechtler“ aufspielen, erkennt man bei beiden genauso dieselbe Taktik im Umgang mit Gegenpositionen, indem sie diese als indoktrinierte Ideologie verklären. Interessanter Weise definieren beide ihre Feindbild in den Konservativen. So denunzieren die Marxisten die Konservativen als „Rassisten“, wenn diese die Abstammung eines Menschen in Form von Ethnie oder Geschlecht als bestimmenden Faktor für Institutionen wie Kultur oder soziale Rolle sehen. Der Marxismus geht davon aus, dass der Mensch einzig Produkt seiner materiellen Umwelt sei und daher alles, was ihn irgendwie vorbestimmt Ideologie sei. Die Libertären auf der anderen Seite gehen nicht so weit. Sie erkennen die Herkunft einen Menschen zwar formal an, benennen es aber dennoch als irrelevant für ihre Gesellschaft. Das Ergebnis ist demnach nicht wirklich ein anderes. Zwar unterscheiden sie sich mittelfristig darin, dass die Marxisten einen totalen Staat brauchen und die Libertären sofort den Staat abschaffen wollen. Doch der Kommunismus entspricht dann wieder der libertären Ideologie, denn auch er ist als herrschafts- und hierarchiefrei definiert. Die Libertären übergehen demnach nur einen Schritt, enden aber dort, wo auch Marx seine Ideologie vollendet sah. So verwundert es auch nicht, dass der deutsche Libertäre Oliver Janich im Gespräch mit dem Marxisten Marcus Staiger einräumte, man sei in den Zielen gar nicht so verschieden. [1]

Weiter benennen die Libertären das Staatsprinzip, auf dem die westliche Zivilisation ruht, als Ideologie oder gar Religion (Staatsglaube) „Etatismus“. Das die meisten Libertären nicht nur Anarchisten, sondern auch Atheisten sind, sprich den Wert von Spiritualität nicht kennen, wodurch wiederum Marx verwirklicht ist, kann man also bezweifeln, dass sie verstehen, was Glauben wirklich ist. Wie Heisenberg so treffend sagte: „Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch; aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.“ Diese Eigenschaft nennt man Demut, ein Charakterzug, den Libertäre wie Marxisten ermangeln. Ein Glaube ist formal dadurch definiert, dass seine Prämissen nicht wissenschaftlich belegbar sind. Demnach müsste es keine wissenschaftliche Erklärung geben, warum Menschen am Staatsprinzip festhalten. Doch diese gibt es. Sie finden sich in der Soziologie, eine Wissenschaft, welche die Libertären nicht einbeziehen. Dieses Verleugnen von all jenen Wissenschaften, welche die eigene Ideologie wiederlegen, findet sich auch bei den Marxisten.

Dagegen stehen also die US-amerikanischen Liberalen wie Stefan Molyneux, die im Marxismus explizit das Feindbild für die Freiheit sehen. [2] Janich beschreibt Molyneux als Anarchisten, aber dem kann man nicht wirklich zustimmen, wenn man seine Inhalte kennt. Molyneux kann man eher als „Paläolibertären“ bezeichnen. Sprich eine Strömung, welche die fundamentale Bedeutung der Christlichkeit für eine freiheitliche westliche Gesellschaft anerkennt, was in Konsequenz eine christliche Zivilisation notwendig macht. In dem Punkt ist Molyneux konservativ. Molyneux kritisiert den Staat richtigerweise. Aber an keiner Stelle fordert er dessen Abschaffung. Stattdessen argumentiert er über konkrete Institutionen wie einen freien Markt und benennt im Wettbewerb den einzigen Garant für Freiheit. Wenn es Wettbewerb gibt, dann gibt es auch Herrschaft, denn der Sieger gibt den Ton an.

Die Ablehnung von Herrschaft bedeutet Kommunismus, sprich Gleichheit statt Freiheit. So, wie Gleichheit und Freiheit nicht zusammen existieren können, so können Herrschaftsfreiheit und Freiheit nicht zusammen existieren. Denn Freiheit bedeutet Wettbewerb und Wettbewerb bedingt die Herrschaft des Besten. Wenn sich auf einem Markt ein Angebot als besser herausgestellt hat als ein anderes, dann übt dieses Herrschaft aus. Wo es Wettbewerb gibt, dort gibt es Herrschaft. Daher verleugnen die Kommunisten auch den Kapitalismus, da sie mit der Herrschaft auch den Wettbewerb ablehnen. Genau dies verstehen Libertäre, auch in ihrer Befürwortung des Kapitalismus nicht.

Herrschaftsfreiheit ist eine Illusion

Die Libertären meinen, es gäbe eine Naturrecht. Dazu gehört das Recht auf Eigentum und damit verbunden das Selbsteigentum am eigenen Körper. Der Begriff ist im Grunde falsch und wird von vielen Libertären auch falsch verstanden. Es ist kein Recht, was aus der Natur kommt, sondern ein Recht, was universelle Gültigkeit hat. Bei dieser Annahme machen Libertäre einen entscheidenden Fehler. Sie verstehen nicht, dass der Begriff des „Rechtes“ aus dem Vorhandensein einer Zivilisation kommt. In der Natur gibt es keine Rechte. Wenn keine Zivilisation vorhanden ist, sprich keine Moral und Ethik, welche Recht und Unrecht definiert, dann gibt es auch kein Recht, da es auch keinen Richter gibt. Verstoß, Anklage und Richtung bedingen die Existenz einer Zivilisation und bestimmten juristischen Prinzipien und rechtsstaatlichen Verständnissen. An dieser Stelle aber hat man bereits Herrschaft, nämlich die Herrschaft des Rechtes oder den Rechtsstaat oder der Moral.

Recht und Moral üben eine züchtigende und erhöhenden Wirkung auf den Menschen aus. Sie sind nicht natürlich, sondern von Gott oder durch die christliche Religion gegeben. Ohne Gott gibt es keine Ethik und keine Moral. [3] Der Fehler der Libertären ist es anzunehmen, dass ihre Moral universelle Gültigkeit für alle Menschen hat und natürlich vorkommt. Das ist falsch, denn ihre Moral leitet sich explizit aus dem Christentum her, welches das Individuum in den Mittelpunkt stellt. Aus den Geboten „Du sollst nicht morden.“ und „Du sollst nicht stehlen.“, um genau zu sein. Außer im Buddhismus hat nur das Christentum ein Gebot nicht zu morden. Das Gebot nicht zu stehlen setzt das Bewusstsein von Eigentum voraus. Also ist Eigentum ebenso im christlichen Idealismus verankert. Stehlen wird daher als Unrecht in der christlichen Moral gesehen, da das Christentum ein Verständnis nicht nur von gottgegebener Willensfreiheit, sondern darauf basierend auch von Freiwilligkeit hat. Diebstahl ist die unfreiwillige Eigentumsübertragung. Die Libertären sind Befürworter des Voluntarismus als Gesellschaftsform, sehen aber nicht, dass diese Ideal aus dem Christentum stammt und eben nicht natürliche ist und universelle Gültigkeit für alle Menschen hat.

In primitiven oder nicht christlichen Kulturen sieht es gänzlich anders aus. Der Buddhismus sowie einige andere Kulturen lehne Besitz gänzlich ab. Die indianischen Kulturen in Nordamerika haben gar kein Bewusstsein für Eigentum, da alles der Natur gehört. Das Bewusstsein etwas in Besitz zu nehmen lernten sie erst mit dem Einzug der Weißen kennen. Genauso was Verträge zur Eigentumsübertragung sind. Daher wurde sie auch mit Verträgen und wertlosen Bezahlungen über das Ohr gehauen. Die Afrikaner kannten vor 100 Jahren noch nicht einmal Geld. Verträge, welche die Grundlage des libertären Voluntarismus sind, sind als Prinzip in primitiven Kulturen völlig bedeutungslos. Die Maya glaubten sogar, dass ihr Blut den Göttern gehört. Dass heißt hier wurde sogar das Selbsteigentum außer Kraft gesetzt. Der Großteil der Welt betrieb Sklavenhandel. Damit ist belegt, dass die angeblich universellen Naturrechte der Libertären keine sind. Es sind Errungenschaften und Werte der christlichen Zivilisation!

So lässt sich beispielsweise das libertäre „unmittelbare Verantwortungsprinzip“ explizit am christlichen Idealismus des eigenverantwortlichen Individuums herleiten. Doch diese Moral existiert auch nur innerhalb einer christlichen Zivilisation und ist eben nicht universell für alle Menschen gültig und übertragbar. Der Fehler der Libertären, den sie mit den Marxisten teilen, ist von der Existenz einer Zivilisation auszugehen und sich nicht zu fragen, was sie schafft. Sie argumentieren aus der christlichen Zivilisation heraus, die das Individuum in den Mittelpunkt stellt, und setzen dann ihre Moral universell. Wenn man aber die Zivilisation aus der Gleichung entfernt und den Menschen auf seine wahrhaft natürlichen Instinkte reduziert, dann bleibt nur ein einziges „Naturrecht“ übrig und das ist das Recht des Stärkeren. Ein wahres Naturrecht  (man sollte eher von „natürlichen Instinkten“ sprechen, da die Natur kein Recht kennt, da sie keine Moral und keine Ethik kennt) erkennt man an seiner natürlichen Universalität. Wenngleich nur die christliche Zivilisation die individualistische Moral kennt und sich davon Ideale wie das Eigentumsrecht oder der Rechtsstaat ableiten lassen, erkennt man jedoch überall auf der Welt das Agieren nach dem „Recht“ des Stärkeren. Nämlich entweder in einem vorzivilisatorischen primitiven Zustand oder wenn eine Zivilisation fort ist, wenn also Anarchie (Abwesenheit von Herrschaft) herrscht.

Anarchie meint zwar die Abwesenheit von Herrschaft. Da die Libertären und andere Anarchisten dies als totalitären Zustand sehen, sprich die totale Abwesenheit von Herrschaft, meint es aber auch die Abwesenheit der moralischen, ethischen und juristischen Herrschaft. Der Mensch, frei von Zivilisation, also frei von Herrschaft durch die Zivilisation, verfällt wieder seinen primitiven Instinkten und verbleibt eben nicht in der christlichen Moral, da diese nicht universell und naturgegeben ist. Er verfällt wieder dem „Recht des Stärkeren“. Sie ist lediglich universell in einer christlichen Welt. Daher braucht es die Herrschaft der christlichen Moral.

Der Wille zur Macht ist Wesen des Menschen und der Urquell der Zivilisation

Die Wahrheit ist, dass Herrschaft Natur ist. Libertäre würden diese Wahrheit sehr schnelllernen, wenn man sie in ein Haifischbecken werfen würde und sie dem Hai dann das Prinzip der Gewaltfreiheit erklären dürfen. Jenseits der libertären Utopie würde ein Kampf stattfinden, ein Wettbewerb, um das Überleben. Der Sieger über Herrschaft aus.

Es gibt kein Recht in der Natur. Es gibt nur den Willen zur Macht. Herrschaft schafft die Zivilisation, besonders die Herrschaft über Mensch, Natur und Ressourcen. Die Natur ist Wettbewerb, Evolution. Sie präferiert den Stärken, der über den Schwächeren triumphiert. Die Natur selektiert die Schwäche aus und gibt der Stärke das Existenzrecht, damit dieser in einen neuen Wettbewerb tritt. Die Herrschaft der Stärke. [4] „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“, sagte Friedrich Nietzsche.

Das gesamte Leben des Menschen ist ein Kampf, also das Streben nach Herrschaft durch Sieg. Die Zivilisation züchtigt nur die wahre Natur des Menschen und gibt ihm ethische und moralische Ideale und Prinzipien, damit das „Recht“ des Stärkeren zivilisiert wird. Die Geschichte wurde von willensstarken Individuen geschrieben. Geschichten von Wagemut und Tapferkeit. Versager und Schwache verleugne das. Das Leben des Menschen ist im Grunde ein Kampf um Leben und Tod, das Streben die Herrschaft über den Tod zu triumphieren. Hierarchien gibt es überall, selbst wenn Kinder spielen. Gleichheit ist eine Illusion, eine Religion der Schwachen.

Die Hierarchie schafft sich aus dem Willen des Individuums seine Schwäche zu beherrschen. Der wahre Wert eines Menschen liegt in seinem Charakter und die Größe sich über die Masse zu erheben und sie anzuführen. Wahre Größe entsteht durch die Willenskraft alle Widrigkeiten zu bezwingen und einem Ziel zu folgen. Ein  Leben von Bedeutung ist immer auch ein schweres Leben. Mühsal bringt das Beste im Menschen zum Vorschein und schult den Charakter. Für diejenigen, die Mühsal tragen sind Schmerz und Vergnügen verwandt.

Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst und ein gutes Leben, ein Leben für den eigenen Charakter, ist ein Leben der Herrschaft, des ständigen Wettbewerbs, des ständigen Prüfens. Das Leben wird erst interessant, wenn es Gefahr bringt und wenn man sich der Herausforderung stellt und Herrschaft als Sieger ausübt. Ein erfülltes Leben ist ein Leben der Gefahr. Herrschaft über den Gegner, und wenn es die Natur ist, oder nur Herrschaft über die eigene Schwäche. Ohne diese Streben nach Herrschaft, hätte der Menschen keinen Trieb nach vorne zu gehen. So bekämpfte er die Gefahr der Natur und zähmte sie. Er übte Herrschaft aus. Er bereiste gefährliche Ozeane, erforschte unbekannte Regionen, stieg auf die höchsten Berge, tauchte in die finstersten Tiefen oder flog ins All. All dies entspringt dem Willen zur Herrschaft. Dieser Wille treibt uns an.

Das ist der Geist, der die Zivilisation schuf! Es waren immer einzelne, die den Willen hatten. Es gibt nicht 0 und 100% Willenskraft. Es gibt unterschiedlichste Niveaus von Willenskraft, Ambitionen und Befähigungen unter den Menschen. Aus diesem Niveaus ergeben sich die Hierarchien. Einige sind zum Arbeiter geboren, andere zum Unternehmer und wieder andere zu Königen. Die Zivilisation wurde von der Spitze geschaffen, von der Aristokratie. Es ist der natürliche Instinkt des Menschen zu menschlicher Größe aufzuschauen, sich ihr zu unterwerfen und ihr zu folgen. Nur durch Hierarchie, durch Führung und Gefolgschaft, kann es eine Zivilisation geben und nur so wird die menschliche Kraft für einem Ziel geeint.

Herrschaftsfreiheit bedeutet Selbstaufgabe

Oda Nobunaga war ein japanischer Feldherr, welche in der Epoche, die „Die Zeit der streitenden Reiche“ (jp. Sengoku Jidai) genannt wurde, die japanischen Clans unterwarf und Japan einte. Oda hatte den Willen zur Macht und formte damit ein Weltreich. Anarchokapitalisten wollen genauso wie Anarchokommunisten Europa faktisch wie in einen Zustand versetzen, wo unzählige Kommunen miteinander interagieren. Im Prinzip eine Zeit des Japan vor Oda. Es wäre genauso kein Weltreich, sondern im Prinzip nur eines Stammesgesellschaft. Was würde geschehen? So, wie Oda Nobunaga Japan vereinte, vereinte Karl Martel und später Otto I. die germanischen Stämme zu einem Weltreich. Es waren Individuen, mit dem Willen zur Macht, die sich aus der Masse der Menschen erhoben. Würde man Europa in anarchistische Kommunen zerlegen, würde irgendwann ein solcher Mensch kommen und die Kommunen zu einem Reich vereinen. Nun könnten die Kommunen sich dagegen wehren. Aber geschichtlich wären sie völlig unbedeutend und ständig Angriffen von Menschen ausgesetzt, die vom Willen zur Macht angetrieben werden. Auf dem Anarchismus zu beharren würde bedeuten nie ein geeintes Japan oder nie ein geeintes Deutschland zu haben. Der Preis für den Bestand des Anarchismus wäre das Fehlen der Zivilisation. Wenn man aus Deutschland eine anarchistische Gesellschaft etablieren würde, würden die Polen und die Franzosen über Deutschland herfallen und sich das Gebiet aufteilen. Der Anarchismus ist wenn nur ein Gedanke der westlichen Welt. Wenn diese ihre Herrschaft aufgeben würde, würde die restliche Welt über sie herfallen. Anarchismus bedeutet die Aufgabe der eigenen Stärke. Doch die Natur präferierte nur Stärke und jene, die diese Aufgabe nicht vollziehen, werden dann siegen.

Alles ist Herrschaft und Unterwerfung! Das Vorhandensein eines Gesetzes bedeutet die Herrschaft der Moral und der Justiz und die Unterwerfung unter diese. Das Vorhandensein einer Sitte bdeutet die Herrschaft der Sitte und die Unterwerfung unter diese. Das Vorhandensein einer Polizei bedeutet die Herrschaft von Recht und Ordnung und die Unterwerfung unter diese. Das Vorhandensein eines Vertrages bedeutet die Herrschaft der Vertragskonditionen und die Unterwerfung unter diese.  Das Ruhigsein in der Schule bedingt die Herrschaft des Lehrers über die Klasse. … Jede hierarchische Organisation, bespielsweise neben dem Staat auch ein Unternehmen, fußt auf Herrschaft und Unterwerfung. Arbeitsteilung wäre ohne Führung, sprich Hierarchie, Herrschaft und Unterwerfung, nicht möglich. Es kann niemals Herrschaftsfreiheit geben! Anarchismus bedeutet demnach völlige Selbstaufgabe! Nichts im Leben des Menschen kann zu jeder Zeit völlig freiwillig sein. Das ist eine Illusion von schwachen Menschen.

Der Staat

Die deutschen Libertären ermangelt meist soziologische Betrachtungen. Scheinbar argumentieren sie allein über das Modell des „homo oeconomcius“. Was sie mit den Linken gemein haben ist ein utopisches, das hießt nicht existentes, Menschenbild. Nicht existent daher, weil es sich nicht wissenschaftlich belegen lässt. Ein Naturrecht gibt es nicht und was die Libertären als Naturrecht ansehen ist nichts anderes, als die philosophisches Errungenschaften der christlichen westlichen Kultur und auch nur hier beheimatet. Es ist keine universelle Moral, welche für alle Menschen Gültigkeit hat.

Libertäre meinen, dass der Staat eine „religiöse Wahnvorstellung“ genannt „Etatismus“ sei. Das impliziert, dass man dem Staatsprinzip religiöse und wahnhafte Züge sachlich belegen kann. Das kann man nicht. Falsifiziert hieße das, dass es keine soziologischen und psychologischen menschlichen Wesenszüge gibt, welche den Staat erklären. Doch die gibt es und die Soziologie erklärt sie unter dem Schwerpunkt „Gruppe“, Gruppendynamiken, Grupenidentitäten und dergleichen. Im Gegensatz zur Annahme der Libertären, ist der Mensch nicht allein durch rationale und individualistische Handlungen bestimmt. Neben dem „Willen zur Macht“ wird er auch durch kollektive Instinkte bestimmt, welche es ihm ermöglichen eine Gruppe zu bilden, das heißt auch ein Gemeinwesen, eine Gesellschaft und letzten Endes einen Staat. Der Staat ist nichts anderes, als die politische Organisation und die politische Handlungssphäre eines identitären (Kultur, Normen, Sitten, Traditionen, Werte, Ideale, Prinzipien, Spiritualität) Gemeinwesens. Hierarchie und Identität spielen eine entscheidende Rolle für Funktionalität und Zusammenhalt. Man kann den Staat und dessen Gemeinwesen als Meta-Individuum sehen. So, wie das menschliche Individuum einen Instinkt dazu hat sich selbst zu definieren und von anderen abzugrenzen, so hat auch den identitäre Körper des Gemeinwesens diesen Instinkt in Summe. Wo der Mensch Geist und Kopf hat, da hat das Gemeinwesen den Staat und seine Regierung. Es ist etwas, was über dem Menschen und zwischen den Gesellschaftsmitglieder steht, sie zusammen hält, und sie gemeinsam etwas Größeres erreichen lässt. Herrschaft gehört zwangsläufig dazu, denn noch nie in der Geschichte erreichten Menschen durch volunatristische Interaktion etwas Größeres. Die Falschannahme der Libertären ist, dass diese freiwillige Interaktion aus individuellen Prämissen heraus für alle Menschen gilt. Am Ende aber zeigt sich, dass das Ideal des freien Individuums allein Bestandteil westlicher und christlicher Philosophie ist. Voluntarismus kann daher nur hier stattfinden.

Was die Libertären nicht erklären können ist, dass der Mensch freiwillig oder aus Vernunft teile seine Individualität und individuellen Freiheit an ein kollektiven Körper wie ein Gemeinwesen oder jede andere Gruppe abgibt. Aus diesem Grund kleiden sich Fußball-Fan-Clubs oder ähnliche soziale Gruppen gleich und unterwerfen sich inneren Gruppennormen und -ritualen, welche ebenso von der Soziologie erklärt werden. Deshalb gibt es nationale Identitäten. Doch anders als es wiederum die Kommunisten darstellen, ist der Mensch nicht allein kollektivistisch geprägt. Libertäre verkennen aber, dass der Mensch nicht allein durch individualistisch-kooperative Wesenszüge bestimmt es, welche sie zur Grundlage legen. Individualismus und Kollektivismus stehen im Menschen ein einem Verhältnis und wirken in unterschiedlichen Situationen.

Man sieht auf der Welt, dass die Herrschaftsausprägung bestimmten Bedingungen folgt. Je fundierter und allgemeingültiger eine ethische und moralische Norm vorherrscht, auch als Gesetz, Sitte oder Tradition, desto eigenständiger und freiwilliger unterwerfen sich die Menschen diesem Konsens und die Herrschaft des Staates ist begrenzt. Je heterogener und weniger in einem solchen Konsens gefügt die Zusammensetzung der Gesellschaft ist, desto autoritärer wird der Staat. Daneben existieren dann die politischen Formen, die von sich aus einen autoritären Staat anstreben und welche man als „Totalitarismus“ zusammenfasst.

Alternative: Paläolibertarismus

Der Paläolibertarismus ist eine Form des Libertarismus, der nur in den USA vorkommt und der als Alternative von den deutschen Libertären verschwiegen wird.

Der Paläolibertarismus verbindet eine liberale/libertäre Politik mit einer kulturkonservativen Gesellschaft. [5] Vertreter ist der US-amerikanische libertäre Politiker Ron Paul und inbesondere der verstorbene Wirtschaftswissenschaftler Ludwig von Mises.

Diese gehen auch davon aus, dass die christliche Ethik und Moral das Fundament von Freiheit ist und daher eine liberale Gesellschaft nur eine westliche, christliche Kultur sein kann. Dieses Denken orientiert sich stark an der „american philosophie“, welche der Verfassung der USA zugrunde liegt. Dabei kritisieren die Paläolibertären die Neo-Libertären (der deutsche Oliver Janich und seine Anhänger als Vertreter) für ihren Hass auf die westliche Zivilisation und was sie in Form der christlichen Moral und Kultur ausmacht. Für Paläolibertäre ist die westliche Kultur und Tradition bestimmend und sie lehnen den Verfall durch die Erkenntnis um die zersetzenden Strömungen  der (marxistischen) Moderne ab.

Das Wichtigste hieran ist, dass diese Libertären die Christlichkeit als Fundament erkennt haben. Sprich, was oben beschrieben wurde. Der Libertarismus ist in seinen Prinzipien nicht formal abzulehnen. Nur steckt mehr Weisheit und Vernunft im Paläolibertarismus eines Stefan Molyneux, als im Anarchismus eines Oliver Janich, Charles Krüger oder Toni Mahoni, denen man mehr Fanatismus als Geist nachweisen kann.

Fazit

Libertäre verstehen nicht, dass ihre Moral, welche sie universell für alle Menschen gültig setzen, einzig Errungenschaften des christlichen Westens ist. Sie basiert auf der christlichen Ethik. Der Libertarismus ist westliche Kultur und nicht allgemein gültiges Prinzip. Er kann daher auch nur in einer westliche, das heißt christlichen Kultur bestehen. Kulturen, welches das freie Individuum nicht als Ideal haben, teilen diese Prinzipien nicht.

Libertäre und Kommunisten haben am Ende gemein, dass sie beide Herrschaft ablehnen und eine kooperative Struktur anstreben. Gemein haben beide auch, dass sie die Natur des Menschen nicht ertragen können, weshalb sie ein ideologisches Konstrukt mit absolutem Wahrheitsanspruch zur Grundlage machen, welches jedoch keine wissenschaftliche Grundlage erfährt. Das Naturrecht ist wissenschaftlich nicht erklärbar und so fällt das Argument der Libertären, „Etatisten“ seien religös, am Ende auf sie selbst zurück. Das Naturrecht ist ein Glaube, aber keine Wissenschaft. Herrschaft ist jedoch wissenschaftlich erklärbar, Herrschaftsfreiheit aber ist eine Utopie, die nichts mit dem menschlichen Wirken auf Erden zu tun hat.

Doch die Kommunisten haben den Libertären eines voraus und das ist die Erkenntnis, dass ihr Menschenbild nicht existiert und sie daher einen totalen Staat brauchen, um es zu schaffen. Das natürliche Wesen des Menschen bestimmt sich aus dem Willen zur Macht; aus Herrschaft und Hierarchien, welche daraus resultieren und die es erst möglichen machen viele individuelle Menschen einem höheren Streben zuzuordnen; sowie durch Unterwerfung des Schwächeren unter den Stärkeren, um zwar im Wettbewerb den Besten für die Herrschaft zu finden, jedoch um auch ständig Kämpfe zum Zwecke einer funktionalen Hierarchie zu verhindern.


Siehe weiter:

https://eiserneskonigreich.wordpress.com/2017/09/22/die-fehler-der-deutschen-gegenbewegung-alternativentruther/


Quellen:

[1] https://www.youtube.com/watch?v=TuUpEJcgpFc
[2] https://www.youtube.com/watch?v=eUvXszFZpmc
[3] https://www.youtube.com/watch?v=SSxbT4J50Uo, https://www.youtube.com/watch?v=A_vTnzFni58
[4] https://www.youtube.com/watch?v=XBmBy7GNYgo
[5] https://en.wikipedia.org/wiki/Paleolibertarianism

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